Ein Talent beweist sich

Miércoles , 01.08.2019 / schwaebische.de

Ein Talent beweist sich

Katharina Gerlach ist die winzige verbliebene deutsche Hoffnung bei den Knoll Open, dem mit 25 000 US-Dollar dotierten Tennis-Weltranglistenturnier in Bad Saulgau. Am Donnerstag besiegte die an Position sechs gesetzte, aus Essen stammende Spielerin des Porsche-Talentteams die Russin Ksenia Laskutova glatt in zwei Sätzen, mit 6:1 und 6:2.

Von Beginn an machte Katharina Gerlach Druck, kam immer wieder über ihre Tospin-Vorhand, streute aber, wenn notwendig, auch mal einen Rückhandslice ein. So wie ihn heutzutage nur noch wenige Spielerinnen beherrschen, darunter die Bad Saulgauerin Tatjana Maria, und der viele Power-Tennisspielerinnen oft vor unlösbare Probleme stellt. Die 21 Jahre alte Gerlach führte schnell mit 3:0, ehe Laskutova auf 1:3 verkürzte, dann aber einbrach und den Satz mit 1:6 abgeben musste. „Ja, ich glaube, das war heute eine klare Steigerung zum Erstrundenspiel. Ich habe heute besser gespielt, weniger Fehler gemacht“, sagte eine schon kurz nach dem Match sympathisch aufgeräumte Katharina Gerlach und rief sich noch einmal das Erstrundenmatch gegen Laura Schaeder ins Gedächtnis zurück. „Ich bin schon in den ersten Satz gut reingekommen.“

Im zweiten Satz war es nur zu Beginn ein bisschen enger. Beide Spielerinnen gewannen ihre ersten beiden Aufschlagspiele, Laskutova spielte phasenweise Tennis nach dem Motto „Pokal oder Spital“. Und der Ball kam in den seltensten Fällen pokalgut, meistens landete er irgendwo im Aus oder Katharina Gerlach machte ohnehin den Punkt. Gerlach schaffte das Break zum 3:2 und nahm mit ihrem immer druckvollen Spiel der Russin endgültig die Lust an selbigem. Spätestens da hellte sich auch die Miene von Barbara Rittner, Head of German Womens’ Tennis, die hinter dem Little Blue Court an der Seite von Verbandstrainer Albert Ender saß, auf. Gerlach marschierte bis zum 6:2 durch und war selbst sichtlich erleichtert über den glatten Verlauf des Matches.

Erstmals auf sich aufmerksam gemacht hatte Gerlach beim WTA-Turnier in Nürnberg 2014, als sie mit einer Wildcard für die Qualifikation immerhin die zweite Qualirunde erreichte. 2016 feierte sie ihren ersten Sieg auf der ITF-Tour, als sie das Turnier in Ricany gewann. Es folgten Erfolge bei Turniere in Kaltenkirchen und Badenweiler (15 000 USD), 2018, also im vergangenen Jahr, gewann Gerlach das Turnier in Horb (25 000 USD), schlug dabei im Finale Katarzyna Piter in drei Sätzen.
Aggressiver spielen

Für 2019 fällt ihr Fazit durchwachsen aus. „Das war bislang ein ziemlich wechselvolles Jahr. Mal so, mal so. Verletzungen hatte ich eigentlich keine, aber wenn du mal ein, zwei Matches gewinnst, wird halt sofort das Selbstvertrauen besser“, räumte sie ein. Denn in diesem Jahr hat sie ein Semifinale beim ITF-Turnier in Aschaffenburg und mehrere Viertelfinals zu Buche stehen, aber auch Turniere wie vergangene Woche in Horb, als sie als Titelverteidigerin in der zweiten Runde ausschied oder in Darmstadt, Versmold oder Stuttgart-Vaihingen wo schon in Runde eins Schluss war.

Und wie weit geht es nicht bei den Knoll Open, angesichts der immer besser werdenden Form? „Naja, ich habe mir erst mal vorgenommen, gut zu spielen. Wir haben uns im Training einige Dinge vorgenommen. Ich will aggressiver draufgehen und von hinten rauskommen.“ Das habe gegen Laskutova schon ganz gut geklappt. „Ich will hier weiter so viele Spiele wie möglich gewinnen.“ Die ansteigende Form der Spielerin des Porsche-Talentteams dürfte auch Barbara Rittner zur Kenntnis genommen haben. Die Nachbearbeitung inklusive kurzem Training und Vorbereitung auf Teliana Pereira aus Brasilien, die nächste Gegnerin am Freitag, kurz nach sechs Uhr auf Court 7 jedenfalls viel lange aus. Da standen die beiden lange Zeit am Netz und Barbara Rittner redete auf ihren Schützling ein. Es dürften positive Worte gewesen sein.

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