Carmen Schultheiß steht in Runde zwei

Montag, 30.07.2019 / schwaebische.de

Carmen Schultheiß steht in Runde zwei

Carmen Schultheiß steht in der zweiten Runde der Knoll Open, dem mit 25 000 US-Dollar dotierten Tennis-Weltranglistenturnier. Die 20 Jahre alte aus Biberach stammende und inzwischen für den TEC Waldau Stuttgart spielende Schultheiß bezwang die Französin Mallaurie Noel in drei Sätzen, nach über zweieinhalb Stunden Spielzeit, mit 4:6/6:3 und 6:4.

Es war ein hartes Stück Arbeit für die Oberschwäbin, bis sie die Französin, in der Weltrangliste mit Position 484 immerhin über 320 Plätze besser klassiert als Schultheiß, die derzeit einen Rang jenseits der 800 einnimmt, niedergerungen hatte. Dabei war’s - und das lässt sich zunächst positiv aus Schultheiß’ Sicht vermerken - von Beginn an ein Duell auf Augenhöhe - unter denselbigen von WTB-Cheftrainerin Christina Singer-Bath. „Ich denke, heute hat Carmen endlich mal gezeigt, was sie kann“, lobte Singer-Bath ihren Schützling.

Dabei wäre es gar nicht notwendig gewesen, über drei Sätze zu gehen. Denn zu großzügig ging Schultheiß, die sich nach einem Kreuzbandriss noch immer auf dem Weg zurück befindet, im ersten Durchgang mit ihren Chancen um, auch weil der erste Aufschlag zu selten kam und sie somit Noel zu selten unter Druck setzen und ins Laufen bringen konnte. Denn immer dann, wenn das klappte, wurde Noel zu kurz, sie kam nicht mehr rechtzeitig hinter den Ball und schlug die wuchtigen Grundschläge ins Netz. Schultheiß erlaubte sich zu viele Doppelfehler, bewegte sich in vielen Situationen nicht gut und kämpfte eher mit den äußeren Umständen („Es war heiß“), als mit ihrer Gegnerin. „Ich habe ja eigentlich mit 4:3 geführt, aber dann habe ich zum Ende des ersten Satz gleich zweimal mein Aufschlagspiel abgegeben. Das darf nicht passieren. Einmal, das kann, aber zweimal...“, sagte Schultheiß nach dem Match und gab zu, dass sie im ersten Satz nicht immer gut positioniert war. „Ja, die Platzaufteilung hat da in einigen Situationen nicht gepasst. Ich musste mich erst reinspielen.“
Lob von WTB-Trainerin

Carmen Schultheiß, die für den TEC Waldau Stuttgart in Bundes- und Regionalliga spielt, habe keine einfache Zeit hinter sich, sagte Christina Bath-Singer nach dem Spiel. Privat wie sportlich. „Zuletzt hatte sie einen Kreuzbandriss, deshalb steht sie ja auch noch nicht da, wo wir und sie es alle gerne hätten. Aber auch aufgrund ihrer Verletzung haben wie ihr vom Württembergischen Tennis-Bund aus etwas mehr Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Ihre jüngsten Ergebnisse waren ja schon sehr gut. Aber ein 25 000-US-Dollar-Turnier ist auch noch einmal etwas anderes und es ist auch nicht einfach, bei so einem Turnier etwas zu reißen. Umso erfreuter sind wir nun, dass sie es hier in die zweite Runde geschafft hat“, sagte Singer-Bath.

Im zweiten Satz rechtfertige Schultheiß das in sie gesetzte Vertrauen. „Ich habe - gefühlt - nicht mehr so viele Doppelfehler gemacht, habe das Tempo angezogen. Ich glaube, das war ausschlaggebend“, sagte Carmen Schultheiß. Mit 6:3 entschied sie den Durchgang für sich und ihre Gegnerin aus Frankreich schien zu diesem Zeitpunkt sprichwörtlich „mausetot“. Die blonde Französin haderte mit sich, mit den Bällen, den Linien und ließ sich von der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung aus dem Konzept bringen.

Das setzte sich auch in Satz drei fort. Carmen Schultheiß gewann ihre ersten beiden Aufschlagspiele - das erste souverän, das zweite nach 0:30-Rückstand, verlor zwischendrin Noels erstes Service zum zwischenzeitlichen 1:1, ehe sie der Französin deren zweites Service abnahm, sodass es 3:1 für Carmen Schultheiß hieß und die Biberacherin sich auf den Weg in Runde zwei machte. Doch es folgte ein kleiner Einbruch. Plötzlich sank die Fehlerquote der Französin wieder, sie spielte wieder „Gummiwand“ und brachte die meisten Bälle zurück, ja streute sogar für Schultheiß, die sich am Netz nicht so wohl fühlt, wiederholt Stopps ein, die die Deutsche nicht zu verarbeiten wusste. „Ja, sie hat dann auch nicht mehr so viele Fehler gemacht“, sagte Schultheiß, die bei eigenem Aufschlag einen Vorteil nicht zum Spielgewinn nutzen konnte, wohingegen ihre Gegnerin den zweiten Breakball verwertete - nur noch 3:2. Noel glich mit einem glatten Aufschlagspiel aus, beide gewannen nun ihre Aufschlagspiele - bis zum 5:4. Dann nahm Schultheiß ihrer Gegnerin den Aufschlag zum 6:4-Satz und Matchgewinn ab.
Folgt nun der nächste Schritt?

Zweite Runde in Bad Saulgau, das passt zu Carmen Schultheiß jüngstem Formanstieg. In der Vorwoche hatte sie sich in Horb durch die Qualifikation gekämpft, aber in der ersten Runde des Hauptfeldes verloren, genauso wie zuvor in Darmstadt und in Vaihingen, wo sie eine Wildcard fürs Hauptfeld erhalten hatte.

Im Frühjahr hatte Schultheiß in Heraklion, beim 15 000 Dollar-Turnier immerhin das Halbfinale erreicht, in Antalya zuvor das Viertelfinale, ihre besten Ergebnisse nach dem Comeback. „Ich hoffe, dass sie jetzt die nächsten Schritte nach oben macht“, sagte Singer-Bath und auch Carmen Schultheiß gibt sich kämpferisch: „Ich hoffe, ich bleibe verletzungsfrei und kann spielen. Wahrscheinlich und hoffentlich in Leipzig.“

Nächste Station ist aber erst mal am Donnerstag das Zweitrundenmatch in Bad Saulgau gegen die Siegerin der Partie Marina Melinkova, bei den Knoll Open an fünf gesetzt, und der Qualifikantin aus Lettland, Kamila Bartone.

Spielerinnen in diesem Artikel
TOP