Von Buffalo nach Bad Saulgau

Sonntag, 29.07.2019 / schwaebische.de

Von Buffalo nach Bad Saulgau

Die Qualifikation zu den Knoll Open 2019 ist Geschichte. Sechs Spielerinnen haben am Montagnachmittag ein Tickt für das Hauptfeld gelöst. Nathaly Kurata (Brasilien), Iva Primorac (Kroatien), Kamila Bartone (Lettland), die die Wildcard vom DTB erhalten hatte, Melanie Stokke (Norwegen), Sylvie Zund (Liechtenstein) sowie die Deutsche Laura Schaeder.

Den Sprung ins Hauptfeld verpasst hat die „halbe Lokalmatadorin“ Pia Schwarz. „Halbe Lokalmatadorin“, weil die Mutter der 18 Jahre alten Singenerin, Isolde Hepp-Schwarz, ist eine Bad Saulgauerin, die lange Jahre für den TC Bad Saulgau spielte, inzwischen aber seit 25 Jahren in Singen/Hohentwiel zu Hause ist. Tochter Pia, die vom Turnierdirektor Gernot Maier eine Wildcard für die Qualifikation erhalten hatte, zeigte in der ersten Runde der Qualifikation eine beherzte Leistung, besiegte die in der Quali an zehn gesetzte Rumänin Arina Gabriela Vasilescu mit 1:6/6:4 und im Matchtiebreak mit 13:11. Dabei lag sie im diesem lange Zeit zurück, wehrte sogar zwei Matchbälle ab, rang ihre rumänische Gegnerin aber schließlich nieder. „Pia hat nie aufgegeben“, sagte auch Mama Isolde Hepp-Schwarz nach der Vorstellung ihrer Tochter, „Gernot (Maier, die Red.) hat während des Spiels zu mir gesagt: Mensch, die ist ja wie du früher, ich habe gedacht, su stehst auf dem Platz“, sagte die Mama in der Pause zum Qualifikationsfinale auf der Terrasse sitzend und lachte.

Isolde Hepp-Schwarz, die selbst noch bei den Seniorinnen 50 in Singen Tennis spielt und 2017 Deutscher Mannschaftsmeister und 2018 Vize geworden war („Wir wollen dieses Jahr, zum dritten Mal in Folge, wieder um die Meisterschaft mitspielen“), hatte ihre Tochter einst zum Tennis gebracht. „Klar, naheliegend“, sagte sie, hielt den Kopf ein bisschen schräg und lächelte.

Das tat sie auch noch nachdem ihre Tochter das Qualifikationsfinale gegen die Lettin Kamila Bartone mit 0:6/3:6 verloren und damit den Sprung ins Hauptfeld verpasst hatte. Denn insgesamt hatte Pia Schwarz eine sehr gute Leistung gezeigt, musste aber die Schlagkraft ihrer wohl um einen Kopf größeren Gegnerin anerkennen. Mit einem 6:0-Parforceritt ging es durch den ersten Satz, erst im zweiten Satz wurde Pia Schwarz stärker, brachte auch mal ihr Aufschlagspiel durch und hatte Chancen, dass das Spiel beim Stand von 3:3 im zweiten Satz kippte, doch Bartone, die die Wildcard des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) erhalten hatte, gewann auch Satz zwei mit 6:3. Ein starker Aufschlag, wuchtige Grundschläge, gute Stopps und ein paar Netzroller zu viel (Pia Schwarz: „Wie viel Glück kann man eigentlich haben...?“) brachten der langen Lettin den Sieg.
Biologie-Studium in den USA

Pia Schwarz verbindet derzeit die Leidenschaft zum Tennis und die berufliche Ausbildung. Sie hat vor einem Jahr, nach dem Abitur in Singen, ein Biologiestudium am College in Buffalo aufgenommen und spielt für die dortige College-Mannschaft in der höchsten Liga, der Division 1. „Den Titel haben wir in diesem Jahr leider knapp verpasst, aber das Jahr in den USA hat mich auf jeden Fall weitergebracht“, sagte Pia Schwarz. Und auch der Auftritt in Bad Saulgau. „Sicher, gut war glaube ich heute, dass ich im ersten Match nie aufgegeben habe. Da habe ich richtig gut gespielt“, sagte sie, nachdem sie die erste Enttäuschung über das Aus im Qualifinale überwunden hatte. „Pia ist kein Profi und bei ihr steht die Ausbildung auf jeden Fall im Vordergrund“, sagte ihre Mutter - und auch der Vater, der den Nachmittag eigens frei gemacht und aus dem Büro nach Bad Saulgau gekommen war, pflichtete seiner Frau bei. „Jetzt will ich mit meiner Mannschaft, dem TC BW Villingen, die Rückkehr in die Regionalliga schaffen. Vergangenes Jahr sind wir leider abgestiegen. Danach geht es wieder in die USA, nach Buffalo“, sagte Pia Schwarz. Denn dort hat sie für insgesamt vier Jahre geplant. Zu gerne würde sie aber zwischendurch wieder nach Bad Saulgau kommen, um dann, 2020, „den Sprung ins Hauptfeld zu schaffen“.

Sechs deutsche Spielerinnen stehen derweil im ab heute beginnenden Hauptfeld der Knoll Open: Die größten Hoffnungen dürften auf der an Position sechs gesetzten Katharina Gerlach ruhen, derzeit an Position 319 der Welt geführt. Die weiteren deutschen Spielerinnen sind: Lara Schmidt, Carmen Schultheiß, die eine Wildcard vom WTB erhalten hatte, Lisa Matviyenko und Alexandra Vecic sowie die Qualifikantin Laura Schaeder, die sich im internen WTB-Duell gegen Anna Gabric durchgesetzt hatte und zum wiederholten Male im Hauptfeld der Knoll Open steht.

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