Laura Siegemund siegt

Samstag, 05.08.2018 / 0

Laura Siegemund siegt

Laura Siegemund hat die 20. Auflage des Tennis-Weltranglistenturniers in Bad Saulgau um die Knoll Open gewonnen. Im Finale besiegte die aus Metzingen stammende Siegemund die Rumänin Alexandra Cadantu in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:2.

Die in Bad Saulgau an Position vier gesetzte Siegemund benötigte 1:58 Stunden, um ihre Gegnerin niederzuringen. Lohn: 3919 US-Dollar und 60 Punkte für die Weltrangliste. Ihre Gegnerin erhält 2091 Dollar. Siegemund gewann damit ihr elftes Turnier auf der ITF-Tour. Zweimal hatte sie bei Turnieren der WTA gesiegt, unter anderem 2017 in Stuttgart, mit einer Wildcard.

Es war kein wirklich hochklassiges Endspiel. Zum einen weil Alexandra Cadantu meist darauf bedacht war, die Angriffe von Laura Siegemund abzuwehren und die Bälle, mit denen die Schwäbin ihre Gegnerin unter Druck zu setzen versuchte, einfach zurückzubringen. Zum anderen weil Siegemund bei ihren Angriffsbemühungen zu viele Fehler machte. Cadantu spielte die Bälle von Siegemund als Topspin zurück, meist auf Siegemunds Rückhandseite. Diese nahm die Bälle im Steigen, „klopfte drauf“, um den Bällen mehr Druck zu geben. Doch oft genug landete die von oben nach unten gespielte Rückhand im Netz. „Es war nicht einfach, sie ist eine gute Defensivspielerin. Ich muss sie für ihr Spiel loben“, sagte Laura Siegemund nach der Partie und fand anerkennende Worte für eine Gegnerin, die es ihr nicht leicht gemacht hatte.
„Wann gibt es neue Bälle?“

Zu Beginn der Partie gewannen beide Spielerinnen ihr Aufschlagspiel. Bis zum 4:4 erspielte sich keine der beiden einen Breakball. Die Auschlagspiele gingen jeweils recht glatt an die Aufschlägerin, nur zweimal führte der Weg zum Spielgewinn über einen Einstand. Siegemund investierte deutlich mehr, spielte risikofreudiger, während Cadantu auf Sicherheit setzte. Immer wieder versuchte Siegemund die Bälle sehr früh, im Aufsteigen zu nehmen, um ihrem Spiel Druck zu verleihen. Gut wurde es aus ihrer Sicht dann, wenn ihre rumänische Gegnerin gezwungen war, viel und schnell zu laufen. Sei es in längeren Grundlinienduellen, oder mit Stopps, mit denen sie Cadantu ans Netz lockte. Zwar gerieten die Stopps meist zu lang, aber Siegemund reüssierte oft genug mit dem zweiten Ball. „Es war nicht leicht mit diesen Bällen zu spielen. Die begünstigen eher das Spiel einer langsameren Spielerin wie Alexandra, die ohne Druck spielt“, sagte Siegemund, die im August 2016 mit Rang 27 ihre höchste Position in der Weltrangliste erreicht hatte, nach der Partie. „Leider wird bei Turnieren in Deutschland mit diesem Ball gespielt.“ Siegemund fragte sogar während des Spiels die Stuhl-Schiedsrichterin: „Wann gibt’s neue Bälle?“, und erläuterte dies. „Für diese Bälle brauchst du in den ersten beiden Spielen sogar einen härteren Schläger“, erklärte sie ihre häufigen Schlägerwechsel im Finale.
Mätzchen von Cadantu

Siegemund punktete immer dann, wenn sie Druck und keine Fehler machte, ans Netz ging, ihren starken Volley platzierte. Im neunten Aufschlagspiel des ersten Satzes fiel die Vorentscheidung. Mit ihrem zweiten von sechs Doppelfehlern „schenkte“ Cadantu ihrer Gegnerin die ersten beiden Breakbälle. Zwar vergab Siegemund diese relativ leichtfertig, doch zweimal druckvolles Angriffsspiel bescherten Siegemund doch das Break. Danach wehrte sich Cadantu gegen den drohenden Satzverlust, hatte bei Aufschlag Siegemund den ersten Breakpunkt, doch die Deutsche wehrte diesen ab, ehe zwei krachende Vorhände den ersten Satz nach knapp einer Stunde mit 6:4 beendeten.

Zwar hatte Cadantu in den ersten beiden Aufschlagspielen Siegemunds im zweiten Satz Breakmöglichkeiten, vergab aber die Gelegenheit die Partie nochmals spannend zu machen. Danach nahm sich Cadantu mehr oder weniger selbst aus dem Spiel. Wie schon im Zweitrundenspiel gegen Antonia Lottner probierte sie es mit Mätzchen, bestellte die Physiotherapeutin aufs Feld. Stuhlschiedsrichterin Maike Specht ließ Cadantu gewähren, doch Supervisor Rolf-Dieter Madlindl wollte es genau wissen und nahm die Rumänin ins Verhör. Die Physiotherapeutin wollte den Platz schon wieder verlassen, als Madlindl die Auszeit gewährte. Der daraus resultierende Verband am Bein - halb von Cadantu selbst angelegt - sah eher aus wie ein modisches Accessoire als eine echte therapeutische Maßnahme. „Nein, das Verhalten Cadantus hat mich nicht gestört. Da ist sie bei mir auch sicher an der falschen Adresse“, sagte die studierte Psychologin Laura Siegemund - Siegemund hat ein entsprechendes Bachelorstudium an der Fern-Uni Hagen abgeschlossen - nach der Partie mit einem Lachen.

Nach der Behandlungspause - beim Stand von 2:1 für Cadantu - gewann Siegemund, die mit zunehmender Spieldauer immer sicherer wurde - fünf Aufschlagspiele in Folge. Siegemund ließ ihre Gegnerin laufen, sie lockte sie ans Netz - meist gerieten die Stoppbälle erneut zu lang und zu hoch, um direkt zum Punkt zu führen, erfüllten aber den Sinn und Zweck Cadantu ins Laufen zu bringen. Siegemund passierte ihre Gegnerin anschließend. Oder sie rückte nach zu kurzen Bällen Cadantus selbst ans Netz auf und machte dort fast keine Fehler. Ein weiterer Stoppball, der Cadantu ins Laufen brachte, sorgte für die Entscheidung. Siegemund lockte ihre Gegnerin nach vorn, und schlug dann eine wuchtige Vorhand ins Feld zum 6:4-, 6:2-Sieg.

„Mein Ziel war es, hier viele Matches zu spielen und Spielpraxis zu bekommen. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen“, sagte Laura Siegemund und schrieb bereitwillig Autogramme oder posierte geduldig für Selfies und Fotos. „Ich wollte nochmals auf Sand spielen. Ich spiele auch in Hechingen.“

Bei den Turnieren den USA werde sie dann ihr „protected ranking“ (SZ-Stichwort) nutzen, um in die Haupfelder der großen Turniere zu kommen. „Dieses geschützte Ranking muss man sehr klug einsetzen, da es nur eine beschränkte Anzahl davon gibt.“ Natürlich gebe ihr der Turnsieg Selbstbewusstsein. „Ich denke, der Turniersieg hat mir auch gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, um wieder dorthin zu kommen, wo ich vor der Verletzung (Kreuzbandriss, d. Red.) war.“

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