Laura Siegemunds langer Weg zurück

Dienstag, 01.08.2018 / schwaebische.de

Laura Siegemunds langer Weg zurück

Der Weg zurück ist lang, steinig und verbunden mit viel Arbeit. Manchmal führt er über Umwege. Das ist auch im Leben Laura Siegemunds so. Am 24. Mai 2017, nur wenige Wochen nachdem die heute 30-Jährige mit dem Finalsieg beim Porsche-Tennis-Grand-Prix den größten Triumph ihrer Karriere gefeiert hatte, zog sie sich im Viertelfinale des WTA-Turniers in Nürnberg einen Kreuzbandriss zu, der ihre Karriere jäh unterbrach.Jetzt, etwas mehr als 14 Monate später, kämpft sie auch bei den Knoll Open in Bad Saulgau immer noch um ihren alten Status. Für eine, die von sich selbst sagt „Geduld ist nicht meine Stärke“ ist das sicher nicht leicht.

Aber: „Man lernt geduldig zu sein“, räumt sie mit einem offenen, ehrlichen Lächeln ein. Früher sei sie oft hektisch geworden, wenn etwas nicht klappte. Sie habe gelernt „step by step - Schritt für Schritt“ zu denken, nichts zu überstürzen, sich die Zeit zu geben. „Ich habe sehr viele Sachen gemacht, die nichts mit Tennis zu tun hatten. Viel Zeit mit Freunden und Familie verbracht“, sagt Siegemund über die Zeit unmittelbar nach der Verletzung, als sie kein oder sehr wenig Tennis spielen konnte. „Ich merke jetzt wieder, wenn ich auf der Tour bin, dass ich viel zu wenig dazu komme.“ Sie sei ohne großes Loch durch diese Phase gekommen, auch weil Freunde und Familie sie auffingen. Siegemund fiel in der Weltrangliste auf eine Position jenseits der 300 zurück. „Löcher gab es eher jetzt, in der Phase, in der ich wieder angefangen habe, zu spielen. In dieser Zeit habe ich mich auch oft mit Barbara Rittner unterhalten. Ich bin halt eher der ungeduldige Typ“, sagt sie und lacht.
Laura Siegemund spielt bei den Knoll Open
In Bad Saulgau wird noch bis zum Sonntag um Punkte für die Tennis-Weltrangliste und um insgesamt 25 000 US-Dollar Preisgeld gekämpft. Das Teilnehmerfeld der Knoll Open ist prominent besetzt.

Auf dem Weg zurück gehören auch kleinere ITF-Turniere wie Bad Saulgau dazu: „Es ist für mich natürlich eine andere Welt. Aber ich habe hier sehr viele Freunde und Bekannte“, sagt Siegemund und bezeichnet die Knoll Open als „Heimturnier. Ich kenne den Turnierdirektor und seine Familie sehr gut.“ Denn oft genug hat sie in jungen Jahren, damals noch als hoffnungsvolles Talent, in Bad Saulgau aufgeschlagen. In diesem Jahr sind die Knoll Open ein Training unter Wettkampfbedingungen. Schon ihre erste Gegnerin, die Kroatin Lea Boskovic, forderte sie. 7:6 (10:8) und 6:1 hieß es am Ende für die Metzingerin, die in Stuttgart lebt. Die Nummer 520 der Welt aus Kroatien lag gegen ihre derzeit 300 Ränge besser platzierte Kontrahentin schnell mit 4:0 in Führung, hatte sogar vier Satzbälle, ehe Siegemund den Satz zu- und im zweiten Satz mit 6:1 kurzen Prozess machte. Ein Zwischenschritt zu den Ufern, zu denen Siegemund wieder aufbrechen will.
Seit zehn Jahren mit Trainer

Dabei gab es eine Zeit, in der die Schwäbin, die sympathisch ihr Idiom nicht versteckt, genug hatte vom Tennis. Zwischen Dezember 2011 und Sommer 2012 nahm sie ein Studium der Psychologie an der Fern-Uni Hagen auf, das sie bis zum Bachelor durchzog, arbeitete nebenbei als Tennislehrerin und kam erst wieder auf den Geschmack, als sie ein ITF-Tennisturnier in Darmstadt gewann zu dem sie zum Spaß angetreten war. Trainer Markus Gentner hielt immer zu ihr. „Mit ihm arbeite ich seit gut zehn Jahren zusammen. Wir sind zusammen durch alle Höhen und Tiefen gegangen“, sagt Siegemund. Gentner arbeitet bei einem Club als Tennislehrer und kann seinen Schützling nicht immer begleiten. Umso enger ist die Bindung: „Ich finde es toll, dass er alle Phasen mitgemacht hat. Auch als ich gesagt habe, ich will nicht mehr professionell spielen. Wir haben weiter trainiert. Dann habe ich wieder voll angegriffen. Ich glaube, dass wir noch sehr viel gemeinsam erreichen können“, sagt Siegemund über ihren Coach.

Doch sie will nichts überstürzen. Die großen Turniere bleiben das Ziel. „Aber ich denke von Schritt zu Schritt. Ich will nicht so viel nachdenken über alte Dinge. Ich bin jemand, der versucht, sein Spiel zu entwickeln. Wir haben an sehr vielen technischen Abläufen gearbeitet. Selbst in einer Phase, in der ich noch nicht wieder laufen konnte“, sagt Siegemund. Welche? „Top secret“, scherzt die 30-Jährige. „Nein, es sind viele Kleinigkeiten, die sich erst in der Zukunft auswirken. Darauf freue ich mich.“

Denn schon in Kürze warten wieder größere Aufgaben. „Nächste Woche spiele ich vielleicht noch das Turnier in Hechingen. Danach geht es in der zweiten Jahreshälfte für mich richtig ab“, sagt Siegemund. „Auch weil ich im ersten Halbjahr oft noch langsam tun und gewollt und ungewollt Pausen einlegen musste.“ Fest im Terminplan sind die Turniere in New Haven und die US Open. „Danach geht es für mich wahrscheinlich wieder auf Sand, nach Asien.“ Laura Siegemund hat den Weg zurück fest im Blick. Aber sie gibt sich die Zeit. Fast so, als habe sie gelernt, geduldig zu sein.

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