Ruse gewinnt ohne Satzverlust

Samstag, 06.08.2017 / schwaebische.de

Ruse gewinnt ohne Satzverlust

Elena Gabriela Ruse heißt die Siegerin der Knoll Open 2017. Im Finale bezwang die 19 Jahre alte Rumänin aus Bukarest in nur 65 Minuten Chiara Scholl, 25 Jahre alte US-Amerikanerin aus Palm Beach/Florida mit deutschen Wurzeln, mit 6:1 und 6:2. Lohn: 60 Punkte für die Weltrangliste, die sie ihrem nächsten Zwischenziel - die Qualifikation für die Australian Open im Januar 2018 - näher bringen, und knapp 4000 US-Dollar Preisgeld.

„Nein, ich bin eigentlich nicht hierher gefahren, um zu gewinnen. Ich wollte einfach nur gutes Tennis spielen, mich weiter verbessern“, sagte Elena Gabriela Ruse und schrieb fleißig Autogramme auf die T-Shirts, die ihr die Kinder auf dem Centre Court entgegenstreckten. Für die Rumänin, endete eine lange Leidenszeit. Über ein halbes Jahr lang war sie außer Gefecht, nachdem sie sich einen Bruch der Kniescheibe zugezogen hatte. Die derzeitige Nummer 283 der Welt konnte nicht daran denken, auf dem Platz zu stehen. Doch sie nutzte die Zeit, um sich völlig neu aufzustellen. Sie wechselte den Coach, heuerte vor einem Monat Adrian Marcu an, der schon ihre Landsfrau Simona Halep trainiert und zu ihrem ersten WTA-Titel in Nürnberg geführt hatte, und veränderte auch ihr Umfeld: neue physiotherapeutische Betreuung, neue Trainingsmethodik.

Zu spüren bekamen ihre Gegnerinnen in Bad Saulgau. Elena Gabriele Ruse gewann die Knoll Open ohne Satzverlust, im Halbfinale am Samstag musste auch Katharina Hobgarski „dran glauben“. Im Vergleich zu ihrer Finalkonkurrentin Chiara Scholl, die sich durch die Qualifikation und mehrere Drei-Satz-Matches spielen musste, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, auch weil Scholl in ihrem Halbfinale gegen die Italienerin Jessica Pieri über zwei Stunden länger auf dem Platz stand, ehe sie das Laufwunder von der Apennin-Halbinsel niedergerungen hatte.

So geriet das Finale zur einseitigen Sache. Ruse entschied Satz eins nach 28 Minuten mit 6:1 für sich. Sie durchbrach dreimal in Folge den Aufschlag der US-Amerikanerin und führte mit 5:0, als sie bei eigenem Aufschlag ihren ersten Satzball hatte, diesen ausließ und zuließ, dass Scholl sie zum 1:5 breakte und „auf die Tafel“ kam. Doch nur ein Aufschlagspiel später machte Ruse den Sack zu, nahm der Amerikanerin das Aufschlagspiel zum 6:1 ab. Ruse überzeugte durch variableres Spiel, Genauigkeit und punktete immer wieder mit ihrer wuchtigen Vorhand und einem guten Aufschlag. Sie setzte ihre Gegnerin während des gesamten Spiels unter Druck, sodass Scholl nie zur Entfaltung kam. Und immer wenn Scholl zu kurz wurde, war Ruse da.

Ein ähnliches Bild auch im zweiten Satz. Ein erstes Break gelang Ruse zum3:1, ehe Scholl. 448 der Welt. gleich das Rebreak zum 2:3 schaffte, doch nach dem Break zum 4:2 war der Drops gelutscht. Nach 65 Minuten landete eine Vorhand Scholls weit im Aus und Ruse jubelte über den 6:1- und 6:2-Sieg. „Ich hatte nicht meinen besten Tag“, sagte Chiara Scholl ein bisschen enttäuscht. „Ich habe darauf gehofft, hier gutes Tennis zu spielen“, sagte Elena Ruse, die im vergangenen Jahr, vor ihrer Verletzung vier 15 000-Dollar-Turniere gewonnen hatte. „Mein Zwischenziel sind nun die Top 100 und die Quali zu den Australian Open.“

Adrian Marcu, seit einem Monat Trainer von Elena Gabriela Ruse: Elena hat ein sehr gutes Turnier gespielt. Ich coache sie seit einem Monat. Entscheidend ist aber nicht, dass sie das Turnier gewonnen hat, sondern dass sie sich von Einheit zu Einheit von Tag zu Tag verbessert. Ich glaube, dass sie durchaus das Potenzial hat, ganz nach oben zu kommen. Sie war Nummer sieben der Welt in der Junioren-Rangliste und es gibt nicht so viele Spielerinnen, die so umfangreiche Fähigkeiten haben, so variabel spielen können wie sie. Deshalb glaube ich auch, dass sie ihr Ziel durchaus erreichen kann. Elena kann mit ihren Schlägen so viel Druck machen. Es gibt viele Spielerinnen, die die Bälle zurückspielen können, aber Druck machen: Das können nur wenige.

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