Jule Niemeiers Aufschlag ist da

Mittwoch, 03.08.2017 / schwaebische.de

Jule Niemeiers Aufschlag ist da

Endlich: Der erste deutsche Sieg im Hauptfeld der 19. Auflage der Knoll Open in Bad Saulgau: Die noch 17 Jahre alte Dortmunderin Jule Niemeier, die an der Tennisakademie von Alex Waske lebt und trainiert bezwang am Mittwochnachmittag die an acht gesetzte Französin Alize Lim. Diese gab aufgrund einer Fußverletzung, die sie im ersten Satz erlitten hatte, nach dem Verlust des ersten Satzes beim Stande von 4:6 auf.

Damit rechtfertigte endlich eine Spielerin, die eine Wildcard erhalten hat, diese Nominierung. „Ich bin einfach froh, eine Runde weiter zu sein“, sagte die 1,76 Meter große Blonde zu ihrem Erfolg gegen die an Position 264 geführte Französin. Über weite Strecken hatte die in Dortmund geborene Jule Niemeier, die am 12. August ihren 18. Geburtstag feiert und sich selbst mit einem guten Abschneiden in Bad Saulgau ein Geburtstagsgeschenk machen könnte, ihre Gegnerin im Griff. Wurde es doch einmal eng war es Jule Niemeier meist selbst, die sich in Bedrängnis brachte, auch weil sie einige Male zu langsam oder zu unentschlossen bewegte und dann falsch zum Ball stand. Immer dann hatte Alize Lim die Gelegenheit, der jungen Deutschen gefährlich zu werden. Oft genug aber setzte Niemeier ihre Gegnerin mit wuchtigen Vorhandschlägen oder ihrem starken Aufschlag, den sie mehrere Male als Ass servierte, unter Druck.

Verletzung zu Jahresbeginn

„Ich denke, ich habe heute ganz gut angefangen, bin froh, dass ich den ersten Satz gewonnen habe und habe dann natürlich davon profitiert, dass sie aufgegeben hat. Ich glaube, sie hatte schon zu Beginn Probleme mit dem Fuß und musste deshalb aufgeben“, hatte Niemeier beobachtet. Sie selbst weiß, wovon sie spricht. „Anfang des Jahres hatte ich selbst eine Schulterverletzung, im Bizepsmuskel, musste zwei Monate pausieren.“ Danach aber lief es für die Westfälin, die seit dem Jahr 2015 an der Tennisakademie von Ex-Weltklassespieler Alexander Waske (einst die Schüttler-Waske-Tennisakademie), einst Nummer 89 der Welt im Einzel und Nummer 16 im Doppel, trainiert und für den TC Offenbach spielt. Die Rechtshänderin mit der beidhändigen Rückhand, spielt Tennis seit sie drei Jahre alt ist. Schnell stellten sich erste Erfolge ein, 2011 war der bekennende Fan von Borussia Dortmund (Sie versucht jedes Wochenende die Spiele der Bundesliga zu schauen) Zweite bei den deutschen U12-Meisterschaften und 2015, nach ihrem Wechsel an die Akademie nach Hessen sogar deutsche U16-Meisterin im Doppel und deutsche Ranglistenerste in dieser Altersklasse.

Auch im Jahr 2017 lief es, nach der überstandenen Verletzung, sehr gut für die junge Frau, die im kommenden Frühjahr ihr Abitur macht. So gut, dass sie plant, sich nach der Hochschulreife zunächst aufs Tennis zu konzentrieren („So ist derzeit der Plan“). Jule Niemeier, die als ihre eigenen Stärken den Aufschlag („Der war heute immer da, wenn ich ihn gebraucht habe“) und die Vorhand nennt, spielte in diesem Jahr alle Juniorenturniere bei den Grand Slams in Australien, Roland Garros und in Wimbledon, gewann unter anderem das G1-Turnier im Einzel in Berlin, und wird in der internationalen Juniorenrangliste auf Position 36 geführt. „Jetzt spiele ich hier noch Bad Saulgau, dann habe ich eine Woche Pause, dann geht es in die USA. Dort spiele ich ein Vorbereitungsturnier und danach die Juniorenkonkurrenz bei den US Open. Das wird mein letztes Juniorenturnier sein, danach will ich verstärkt 15 000- und 25 000-Dollar-Turnier spielen, um den Einstieg in den WTA-Tour zu schaffen“, sagt Niemeier, die noch auf einem Platz jenseits der 1200 in der Welt geführt wird.

Eine Position, die sich bald verbessern könnte. Dann käme sie ihrem großen Ziel langsam näher. Denn ihr Wunsch sei es, so hat sie ihr Ziel auf der Homepage der Akademie formuliert: „einmal alle Grand-Slams zu spielen und unter den Top 10 in der Welt zu stehen“.

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