Barbara Rittner lobt Katharina Gerlach

Donnerstag, 02.08.2019 / schwaebische.de

Barbara Rittner lobt Katharina Gerlach

Katharina Gerlach hält die deutsche Fahne weiter hoch bei den Knoll Open. Die 21-Jährige erreichte durch einen 7:5-, 6:3-Sieg am Freitagnachmittag gegen die Brasilianerin Teliana Pereira das Halbfinale des mit 25 000 US-Dollar dotierten ITF-Turniers in Bad Saulgau. Im Halbfinale trifft die aus Essen stammende und im Porsche-Talentteam trainierende Gerlach, in Bad Saulgau an Position sechs gesetzt, auf die ungesetzte Melanie Stokke aus Norwegen, die die an zwei gesetzte, lang aufgeschossene Spanierin Georgina Garcia-Perez mit 7:6 und 6:4 ausschaltete.

„Ich hatte das Gefühl, dass heute ohnehin viele Aufschlagspiele recht knapp waren“, sagte Katharina Gerlach nach ihrem Sieg gegen die Brasilianerin Teliana Pereira. Die Südamerikanerin machte Gerlach das Leben schwer. Kein Wunder, denn Pereira hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Immerhin war sie die erste Brasilianerin, die nach 27 Jahren wieder einen Titel für Brasilien auf der WTA-Tour gewann. Im April 2015 gewann sie das Turnier von Bogota und kletterte im August desselben Jahres auf Position 48, nachdem sie ihren zweiten Titel auf der WTA-Tour gewonnen hatte. Im brasilianischen Florianópolis schlug sie im Finale Annika Beck mit 6:4/4:6 und 6:1. Im Oktober 2015 kletterte sie sogar auf Position 43. Während ihrer Karriere sammelte sie über eine Million Dollar Preisgeld ein.

Lange ist es her, die Brasilianerin inzwischen 31 Jahre alt und längst nicht mehr so konstant wie damals. Im August 2018 wird sie nur noch auf Position 709 geführt und auch für die aufstrebende Katharina Gerlach machbar. „Gegen Ende des ersten Satzes ist das Spiel ein bisschen gekippt. Ich war nicht mehr so aggressiv“, so Gerlach. Ihre Gegnerin machte deutlich weniger Fehler, Gerlach verspielte einen 4:1- und 5:2-Vorsprung, plötzlich hieß es - nach einem vergebenen Satzball - nur noch 5:5. Dann setzte Pereira eine Vorhand aus dem Halbfeld knapp ins Aus, ihr erster Fehler nach drei fehlerlosen Aufschlagspielen, plötzlich hatte Gerlach wieder Oberwasser, holte sich ihr eigenes Aufschlagspiel zum 6:5 und machte bei Pereiras Aufschlagspiel den Satz zum 7:5 zu. Auch im zweiten Satz führte Gerlach mit 4:1, ließ sich dann aber beim Stand von 5:2 nicht mehr die Butter vom Brot nehmen: 6:3.

„Ich glaube, im zweiten Satz habe ich druckvoll weiter gespielt“, das sei der Schlüssel gewesen. „So wie wir es besprochen haben. Ich bin aggressiv geblieben“, sagte Gerlach über ihre Unterredung mit Barbara Rittner nach dem Erfolg am Vortag gegen die Russin Ksenia Laskutova, der sie mit Topspinspiel, aggressiven Angriffen, Slicerückhand und Tempowechseln den Zahn gezogen und die Lust am Spielen genommen hatte.

Und auch gegen Teliana Pereira lief es ähnlich. Die Brasilianerin begann im zweiten Satz mit sich zu hadern, ihr kaum zu identifizierendes Stöhnen verkam fast ein bisschen zu einem Wimmern und Gerlach zog durch zum Sieg. Und nun? „Ich glaube, dass von den vier Spielerinnen, die nun noch im Turnier sind, jede Möglichkeiten hat, das Turnier zu gewinnen“, sagte Gerlach. Sie trifft im Halbfinale nun auf die ungesetzte Norwegerin Melanie Stokke, während die topgesetzte Spanierin Sorribes-Tormo gegen die Rumänin Fetecau ran muss.
Rittner lobt fleißige Gerlach

Lob für Gerlach gab es auch von Barbara Rittner, Head of Womens’ Tennis im Deutschen Tennis-Bund (DTB), ein dickes Lob. „Ich bin sehr stolz auf sie heute. Sie hat hier ihre besten Matches in letzter Zeit gezeigt und wenn sie so weiterspielt wird sie es weit bringen“, sagte Deutschlands Chefin im Frauentennis über ihren Schützling. „Gegen Ende des ersten Satzes war sie vielleicht ein bisschen zu defensiv. Aber über weite Phasen des Spiels hat sie das gemacht, was wir vorher besprochen haben. Sie hat, auch in wichtigen Szenen, den Ball aggressiv und im Steigen genommen. Wenn sie diesen Weg beibehält, weiter offensiv spielt, wird sie sich weiterentwickeln“, lobte Rittner. „Es freut mich für sie, weil Katharina ist eine der fleißigsten Spielerinnen im Training, die wir haben. Ich wusste immer, dass sie es kann.“

Im Gegensatz zu einigen anderen, die Barbara Rittner zuletzt scharf kritisiert hatte. Katharina Gerlach nahm sie davon ausdrücklich aus. Dagegen hatte Rittner in einem Gespräch mit tennisnet.com am Rande des Turniers in Wimbledon Carina Witthöft für ihre Einstellung angegriffen. Witthöft überlege nach wie vor, was sie wolle. Wenn dies eine Spielerin nicht wisse, werde sie langfristig keinen Erfolg haben. Rittner hatte auch Witthöfts, aus ihrer Sicht, fehlende Bereitschaft kritisiert, Hamburg gegen einen Ort mit Akademie zu tauschen, der sie vielleicht weiter bringe, als immer in Hamburg für sich zu bleiben. Witthöft hatte die Vorwürfe Rittners als „respektlos“ zurückgewiesen. Witthöft pausiert derzeit. Gleichzeitig hatte sie angekündigt, gegen Geld Interessierten Tennisstunden zu geben. Rittmer fasste gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ die Kritik sogar weiter. „Man hat immer gefragt, wer die Lücke hinter Kerber, Petkovic und Co. schließen soll. Zunächst sah es ja so aus, als dass die Spielerinnen die Lücke schließen könnten. Nur: Die Lücke hinter den älteren Spielern ist wieder größer. Ich entscheide ja nicht, ob die jungen Spielerinnen den Weg gehen wollen. Das müssen schon die Spielerinnen selbst tun.“

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